Kroatien 2023

Zagreb

Die Hauptstadt Zagreb ist mit ihren knapp 760.000 Einwohnern (Großraum 1,0 Mio., 2021) sicherlich nicht die schönste unter Europas Zentralen. Die SPIEGEL-Autorin Anne Haeming verstieg sich in ihrem Online-Artikel vom 12.10.2017) sogar zu der Aussage, sie sei die langweiligste Europas. Gemessen an Sehenswürdigkeiten mag das stimmen. Noch immer weht ein Geist des Sozialismus durch die Straßenzüge der Unterstadt, braune, abbröckelnde Fassaden, auch wenn die Prachtgebäude des ausgehenden 19. Jh. oder des frühen 20. Jh. markante Akzente setzen. Die älteren Gebäude, die Kathedrale oder die Markuskirche der Oberstadt, waren wegen Restaurierungsarbeiten eingerüstet und nicht zugänglich. Dafür erstaunte das Esplanade Zagreb Hotel von 1925, das damals eigens im Zusammenhang mit dem Orient-Express von Paris nach Istanbul errichtet wurde und den Reisenden ein angemessenes Domizil bei der Unterbrechung ihrer Reise darstellen sollte.

Indes waren die kleinen, aber typischen Plätze und Straßenzüge durchaus sehenswert, der Gang durch den Tunel Gric, einem Bunker in Form eines Tunnels, der zwei Straßen miteinander verbindet, ein Hinweis auf die wechselvolle Geschichte Kroatiens von eigenständigem Königreich und Teil des Osmanischen und des Habsburger Reiches bis 1918, als Teilrepublik Jugoslawiens bis hin zur Mitgliedschaft in der EU seit 2013 und der Einführung des Euro 2023.

Von der Strossmayer-Promenade der Oberstadt konnte man weit über die Dächer der Stadt hinwegsehen bis zu den in fast allen europäischen Städten typischen Sozialwohnungskomplexen am Stadtrand. Als langweilig kann man die Stadt auch an einem Sonntag sicherlich nicht bezeichnen. Unerwartet wurden wir von der Open-Air-Rockmusik in der Pavla Radicka angezogen, wo das Karlovacko-Bier in Strömen floss und Jung und Alt ausgiebig tanzte.

 

Plitvičer Seen

Spätestens seit den Winnetou-Filmen der 60er-Jahre dürften die Plitvicer Seen z.B. aus dem Film „Der Schatz im Silbersee“ bekannt sein, obwohl der Nationalpark bereits 1949 gegründet wurde und damit der älteste Südosteuropas ist.

Kurz vor der Reise nach Kroatien herrschten ergiebige Regenfälle; dementsprechend tosend schossen die Wasserfälle von jeder Staustufe der Seen hinab ins Tal und unterspülten dort zum Teil die Holzstege. Manche Wege waren gesperrt. Umso eindrucksvoller war das Erlebnis der Wassermassen. Wer in einem der Hotels am Rande des Nationalparks übernachtete wie wir, war am Morgen noch allein, aber schon bald nach 10 oder 11 Uhr strömten die Besucher in den Park und sorgten für manchen Stau auf den Stegen. Der Eintritt in den Park ist relativ teuer. Da wir bereits am Nachmittag in unserem Hotel waren, konnten wir das Ticket auch für den nächsten Tag verlängern lassen.

 Kroatische Küste

Die meisten Urlauber wird es an die dalmatische Küste ziehen. Derzeit beklagen die Bewohner von Split einen Tourismus der Alkohol-Exzesse, vor allem jetzt zur Zeit des Ultra-Europe-Festivals. Nahezu pausenlos kommen die Flieger, vor allem aus Großbritannien, in die Stadt, in der die Leute Party rund um die Uhr erwarten. Dubrovnik weiter im Süden wird ebenfalls überlaufen. In den anderen Städten wie Šibenik, Zadar und Trogir ist es dagegen erträglich.

Es ist vor allem die Lage der Städtchen auf Inseln oder an Buchten, die den Reiz ausmachen. Primošten: der Blick hinunter vom Maria von Loreto-Monument geht hinüber zu einer ganzen Reihe von Inseln, die der Küste vorgelagert sind.