Bayreuth
Es gibt nur wenige Städte, die bei ihrer Nennung sofort mit einem Komponisten assoziiert werden. Salzburg vielleicht mit Mozart, Leipzig mit Bach und Bayreuth eben mit Richard Wagner. Dabei tritt dieser erst spät in die Stadtgeschichte ein. Schon zu Beginn des 18. Jh. sorgte die Hochzeit von Preußens Prinzessin Wilhelmine, der Schwester von Friedrich dem Großen, mit Friedrich III, Markgraf des Fürstentums Bayreuth, für einen fulminanten kulturellen Aufschwung, der in dem heute als Weltkulturerbe der UNESCO geführten Markgräflichen Opernhaus gipfelte. Wilhelmine hatte erheblichen Anteil an der Gestaltung der Bayreuther Innenstadt sowie dem kulturellen Leben mit den besten Orchestern und Sängern ihrer Zeit. Dass Richard Wagner bei seinen Plänen für ein Festspielhaus auf Bayreuth kam, lag auch daran, dass er bewusst in die Provinz wollte.
Richard Wagner Museum u. Villa Wahnfied
Die Meistersinger von Nürnberg
Der Inszenierung von Matthias Davids mochte ein gewisser Vorbehalt vorausgehen, ist Davids doch eher für Musical-Inszenierungen bekannt, die im Überdrehten und Komödienhaften schwelgen. So auch in den Meistersingern, dem Nürnberger Sängerbund der Handwerker, die hier mit Narrenkappen ähnlichen Kopfbedeckungen ihre Treffen zelebrieren und einen Hang zum Überkommenen pflegen. Mit einer Fehlerliste verfolgt der „Merker“ den Gesang eines Bewerbers und disqualifiziert den von Schuhmachermeister Hans Sachs geförderten Walther von Stolzing, der um die vom Zunftmeister versprochene Hand seiner Tochter Eva kämpft. Dazu fühlt sich auch der Stadtschreiber Beckmesser berufen, der aber gesanglich nicht das Zeug dazu hat.
Die Vorstellung beginnt um 16 Uhr. Schon vorher flaniert das Publikum durch den Park, in dem Wagner-Büsten, Schautafeln von berühmten Wagner-Sängern und Dirigenten, aber auch kritische Hinweise auf den unsäglichen Antisemitismus von Wagner selbst und vor allem seiner zweiten Frau Cosima aufgestellt wurden. 1980 formulierte der Germanistik-Professor Joachim Bumke in seiner Vorlesung über Wolfram von Eschenbachs „Parzival“, er könne es sich nicht erklären, wie ein genialer Komponist wie Wagner sich zu solchen abfälligen Urteilen über Juden im Allgemeinen und Juden in der Musik habe hinreißen lassen können. Freilich der antisemitische Fanatismus wurde erst recht durch Wagners zweite Frau Cosima, der Tochter von Franz Liszt, ins Politische gehoben, als sie sich Adolf Hitler und seiner Begeisterung für Wagner andiente. Insofern ist dem Leiter des Richard Wagner Museums, Dr. Jens Friedrich, in seinem Einführungsvortrag zu den „Meistersingern“ zu danken, dass er die negativen Seiten um den politisch verstandenen Impetus der Oper herausstrich:
(https://www.facebook.com/BayreutherTagblatt/videos/24132266546427281/)
- was deutsch und echt, wüßt’ Keiner mehr,
- lebt’s nicht in deutscher Meister Ehr’.
- Drum sag’ ich Euch:
- ehrt Eure deutschen Meister!
- Dann bannt Ihr gute Geister;
- und gebt Ihr ihrem Wirken Gunst,
- zerging’ in Dunst
- das Heil’ge Röm’sche Reich,
- uns bliebe gleich
- die heil’ge deutsche Kunst!
Pressestimmen

Der in dem Artikel gescholtene Sänger Zeppenfeld war in der Aufführung vom 19.07. wegen Erkrankung durch den Sänger Michael Volle ersetzt worden. Dieser ist ein versierter Wagner-Sänger und hatte bereits 2017 die Rolle des Hans Sachs übernommen. Auch 2025 kann man seine Darstellung als „historisch durchdrungen, musikalisch hochkarätig und darstellerisch in einer Dimension, wie sie nur selten gelingt“ bescheinigen. Die Hervorhebung Michael Nagy als Sixtus Beckmesser ist durchaus berechtigt. Wie er als versierter Sänger das gesangliche Unvermögen des Beckmesser herausstellt ist nicht nur komisch, sondern geradezu genial. Auch der Dirigent der Premiere, Daniele Gatti, war verhindert. Axel Kober, 2009 – 2024 GMD der Deutschen Oper am Rhein und mit dem „Tannhäuser“, „Lohengrin“ und „Der fliegende Holländer“ in Bayreuth schon bekannt, sprang für ihn ein. Zu Recht galten bei dem Schlussapplaus auch ihm zahlreiche Bravo-Rufe.































