AMAZÔNIA
Das Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln zeigt seit 29.10.2025 noch bis zum 15.03.2026 die einzigartige Ausstellung AMAZÔNIA des 2025 verstorbenen Fotografen Sebastião Salgado. Über Jahre hinweg hat Salgado immer wieder die Einzigartigkeit des tropischen Regenwaldes im Amazonas-Gebiet Brasiliens bis an die Grenzen zu Peru und Guayana festgehalten und in monumentalen SW-Landschaftsfotografien präsentiert und darüber hinaus seine Verletzlichkeit vor dem Hintergrund ökonomischer Interessen aufgezeigt. Dabei war ihm auch die Begegnung mit der indigenen Urbevölkerung wichtig, deren Bedrohung, aber vor allem deren Würde er in zahlreichen Porträts zeigte.
Der Tropische Regenwald
Die Ehefrau von Sebastiao Salgado, Lélia Wanick-Salgado, tritt für die Ausstellung als Kuratorin und Szenografin auf. „Von dem Moment an, in dem die Idee für Amazonia entstanden war, wollte ich eine Umgebung erzeugen, in der sich die Besuchenden vom Wald umgeben fühlen, eingetaucht in eine üppige Vegetation und das Alltagsleben seiner Bevölkerung“ (Quelle: Flyer). Ob diese Vorstellung mit Schwarzweißfotografien gelingt, mag dahingestellt sein. Die frei im Raum hängenden großformatigen Bilder zwingen den Besucher tatsächlich „verschlungene“ Wege zur Betrachtung zu suchen, ganz so wie vielleicht im wuchernden Regenwald. Dabei sind allerdings die Fotografien Salgados meist Luftbildaufnahmen; das Durchschreiten des Waldes bzw. Erklimmen von aufragenden Bergen dürfte zu strapaziös sein, wie überhaupt die Aufnahmen eine Ästhetik bedienen, die in der Realität vor Ort eher eine „grüne Hölle“ darstellt.
Die indigene Bevölkerung
Die reale Begegnung mit der indigenen Bevölkerung dürfte den meisten Betrachtern verschlossen bleiben. Umso eindrucksvoller ist darum, ihnen in den Porträts von Salgado zu begegnen und ein Gefühl für ihre Lebensweise und Traditionen zu bekommen. Man mag zwar an die historischen Fotografien anderer Naturvölker aus kolonialer Zeit erinnert sein, die in der Absicht entstanden sind, dem Betrachter ihre Primitivität zu dokumentieren. Dieser Gedanke scheint bei Salgado abwegig, auch wenn die Bilder inszeniert sind. Begleittexte zu den Porträts informieren nicht nur über die jeweilige Ethnie (Yanomami, Maturacá, Korubo, Zo’è-Ethnie, Piaú, Yawanawá u.a.), sondern auch über ihre Namen und Stellung in der Gemeinschaft, die z.T. erst im 21. Jh. ersten Kontakt zu Nicht-Indigenen hatte. Dies betrifft aber nur wenige Gemeinschaften, die in den indigenen Territorien (14% der Staatsfläche) leben. Dort genießen sie weitgehend Schutz, vermutlich so lange wie ökonomische Interessen nicht dagegen stehen. Die auf ca. 1,7 Mio. Menschen geschätzte indigene Bevölkerung (in etwa 305 Völkern) lebt z.T. in Städten, wo ihre Akzeptanz problematisch ist.




















